Unsere diesjährigen Nachtschattengewächse haben wir in zwei Chargen ausgesät, einmal im Januar und einmal im Februar. Die zweite, jüngere Charge begann Anfang April plötzlich zu kränkeln. Die Triebspitzen verkümmerten, die Blätter dort wurden dunkelgrün, wölbten sich, fingen an zu glänzen und wirkten blasig. Die Blattnerven traten hervor, die Blätter waren bedeutend kleiner, als sie hätten sein sollen, und misformt. Was war denn da los? Die kleinen Keimlinge waren doch gerade eben erst in guten Kompost pikiert worden. Außerdem besprühen wir alle unsere Nachtschatten jede Woche einmal mit einer Lösung aus Brennessel-Schachtelhalm-Meeresalgenextrakt. Der konnte es ja nun wirklich nicht sein. Immer mehr Pflanzen wuchsen komisch. Es betraf hauptsächlich die Paprikas und die Chilis, denn die Auberginen und Physalis sahen noch ganz normal aus.

 

 

Am Anfang fanden wir Trauermücken, also hingen wir gleich diese klebrigen Gelbtafeln auf. Am nächsten Morgen stand fest: Jawoll, Trauermückenbefall! Nach kurzer Recherche fanden wir heraus, dass es Nematoden, also Fadenwürmer, zu kaufen gibt, die man ins Gieswasser mischt. Diese Nematoden befallen dann die Maden, die an den Wurzeln der befallenen Pflanzen fressen, und töten sie ab. Also gossen wir alle Pflanzen behutsam mit den Nematoden und streuten eine Schicht Sand auf die Erde, was die Mücken vom Eierlegen abhalten soll.

Leider hätte sich der Schaden laut Fachbüchern und befreundeten Gärtnern innerhalb einer Woche langsam beheben sollen, die Pflanzen hätten wieder normale Blätter bilden müssen. Taten sie aber nicht. Also gossen wir noch einmal mit Nematoden. Inzwischen müssen das hunderte pro Pflanze gewesen sein, die sind ja mikroskopisch klein. Warum tuen die denn nur nichts?

Wir fotografierten die verkümmerten Blätter und Triebspitzen und schickten sie zu einem befreundeten Profi-Gärtner. Er riet uns zum Kauf von Raubmilben, einem weiteren Fraßfeind für die Trauermückenlarven. Aber in diesem Telefonat schwang auch der Zweifel mit, ob der Trauermückenbefall wirklich die wahre Ursache für die Misbildungen der Triebe verantwortlich sei. Vielleicht hatten wir zuviel Stickstoff gedüngt? Hm, kann eigentlich nicht sein, weil vor „zuviel“ erst noch „zu schnelles Wachstum“ kommt, und seine Profi-Paprikas sind definitiv größer als unsere. Wir hätten also eigentlich sogar mehr füttern können. Dann war Phosphormangel im Gespräch, oder Lichtmangel. Am Ende riet er uns, die Pflanzen auf jeden Fall unter dem Kunstlicht hervor zu holen und sie mit in unseren Folientunnel zu nehmen, wo sie Sonnenlicht abbekommen können. Außerdem gewöhnen sie sich dann schon mal an die Temperaturschwankungen von Tag und Nacht, die es in unserem Schlafzimmer ja bisher für sie gar nicht gab.

 

 

Also standen zwei Tage später beide Chargen unserer Nachtschattengewächse im Folientunnel. Die alten, die übrigens ebenfalls von Trauermücken befallen sind, das zeigt die Gelbtafel deutlich. Und die neuen, die mit der mysteriösen Krankheit.

Ich wollte mir noch mal eine professionelle Meinung einholen, denn die Sache begann mir wirklich Angst zu machen. Ich schickte die Fotos an meinen holländischen Gartenbaudozenten und bat ihn um seine Meinung. Seine Antwort war ernüchternd: „So etwas habe ich noch nie gesehen!“ Na toll! Und nun? Der Dozent tippt auf einen Virusbefall. Sein Ratschlag, was wir tun können, kam mir bekannt vor. Genau das Gleiche hatte uns unser Gartenprofifreund am Ende seines Lateins auch vorgeschlagen: Es wird irgendwie mit dem Substrat zusammenhängen. „Pflanzt die Paprikas, sobald es das Wetter zulässt, aus. Der neue Boden wird’s schon richten und das Sonnenlicht auch.“

Na dann. Noch eine Woche abhärten im Folientunnel, bzw. eingewöhnen in den natürlichen Rhythmus. Und dann wird Wetterbericht geguckt. Drückt uns die Daumen, dass sie bis dahin noch durchhalten! Übrigens habe ich jeweils ein Drittel aller Töpfchen pro Paprika und Chilisorte moderat gedüngt. Vielleicht hilft das ja was, mal schauen….